Argumente gegen die Erweiterung

Verkehrslage 

Die Stadtverwaltung von Bietigheim-Bissingen hat die Erweiterungspläne bisher immer unterstützt. Doch auch für sie hat die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zunächst Vorrang. Dabei geht es vor allem um die Kreuzung zwischen der Landstraße 1110 und der K 1671, sowie die Kreuzung der K 1671 mit der Carl-Benz-Straße (siehe Bild). Beide Kreuzungen sind schon jetzt stark überlastet! An der Einmündung der L 1110 in die Südumleitung Bietigheim-Bissingen reicht der morgendliche Stau bereits weit in Richtung Bissingen. Ebenso kommt es abends auf der Ortsdurchfahrt Tamm zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Diese Problematik wurde schon bei der Vorlage der Pläne im Jahr 2015 festgestellt. Warum also plant die Region ein Gewerbegebiet, das 5 km von der Autobahn entfernt ist? 

Flächenkonkurrenz

Pro Tag gehen allein in Deutschland 50 ha Agrarfläche verloren. Die außerlandwirtschaftliche Flächeninanspruchnahme sollte daher eingedämmt werden (Gemüse Online 19.04.2014). Für jeden Hektar erbautes Industriegebiet wird somit ein Hektar Ausgleichsfläche nötig. Wo jedoch sollen diese in Bietigheim-Bissingen zu finden sein? 

Das Gebiet zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm, in welchem der Zweckverband Laiern erweitert werden soll, stellt ein gärtnerisch-landwirtschaftliches Siedlungsgebiet dar. Als solches sollte es zur Erhaltung unseres typischen Landschaftsbildes geschützt werden. Eine Bewahrung der Flächen wäre darüber hinaus auch ein Bekenntnis zur regionalen Nahrungsmittelerzeugung!

Nachhaltigkeit

Um bestehen zu können, benötigen wir Gärtner und Landwirte auch langfristig Entwicklungspotenzial. So waren beispielsweise Flächen, die im Bereich des geplanten Gewerbegebietes liegen für Betriebserweiterungen der Gärtnerei oder der benachbarten Landwirte vorgesehen. Bestünde keine Möglichkeit zu wachsen, so würde die Perspektive für uns auf Dauer schwierig und könnte sogar das Ende unserer regionalen Nahrungsmittelerzeugung in Bietigheim-Bissingen bedeuten! Die Bewirtschaftung weiter entfernter Flächen ist im Sinne der Nachhaltigkeit nicht sinnvoll!

Hinzu kommt das Thema Fruchtwechsel: um die Böden nicht durch einseitige Bewirtschaftung auszulaugen, tauschen die Gärtnerei Kiemle und die Familie Geiger regelmäßig die Felder. Wer jedoch zu wenig Fläche hat, kann im Umkehrschluss auch nicht tauschen. Eine nachhaltige Gesunderhaltung der Böden durch einen sinnvollen Fruchtwechsel wäre dann nicht mehr möglich.

Eingriff in Natur und Landschaftsbild

Auf dem Grünland vor der Gärtnerei Kiemle befindet sich eine Quelle, welche die Notwasserversorgung von Bietigheim-Bissingen sicherstellen soll. Hinzu kommen wertvolle Ackerböden und Spazierwege für die Naherholung. Die Fläche am Erlengrund dient außerdem als Frischluftschneise. Die Ausweisung der Flächen als Gewerbegebiete würde massive Eingriffe in die Natur bedeuten: Gute Böden würden geopfert und wertvolle Flächen versiegelt werden. Unser typisches Landschaftsbild hier vor Ort würde sich drastisch verändern. Der Bruchwald würde immer mehr zur „Insel“ werden (BUND, 2018). 

Qualität regional erzeugter Lebensmittel

Zusätzlich entsteht durch ein neues Gewerbegebiet mehr LKW-Verkehr und es wird mehr Wohnraum benötigt. Der zusätzliche Verkehr stellt vor allem für die Gärtnerei Kiemle ein großes Problem dar: Wir versuchen unser Möglichstes, um regionale Erzeugung auf höchstem gesundheitlichem Niveau zu gewährleisten. Dabei soll unsere Produktion so natürlich wie möglich sein. Die Ressourcenschonung und der weitestgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sind für uns ein sehr wichtiges Thema. Die durch ein erweitertes Gewerbegebiet entstehenden Abgase würden all diese Bemühungen zunichtemachen.

Für die Familie Geiger hätte ein Flächenverlust potentiell einen Einfluss auf die Qualität der produzierten Milch. Die Qualität und Zusammensetzung der Milch ist stark abhängig von der Fütterung der Kühe. Unsere Kühe werden mit einer Ration bestehend aus Mais- und Grassilage, Getreide, Stroh sowie Kraft- und Mineralfutter gefüttert. Um eine hohe Futtermittelqualität garantieren zu können, erhalten unsere Kühe eine Ration, deren Komponenten zu 95% aus eigener Produktion stammen. Alle eingesetzten Futtermittel sind gentechnikfrei. Ein Flächenverlust würde früher oder später dazu führen, dass Futter zugekauft werden muss. 

Warum ein drittes Mal abstimmen?!

Der Gemeinderat Bietigheim-Bissingen hat bereits zwei Mal über die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Laiern abgestimmt. Beide Male wurde sie abgelehnt! Warum soll nun also ein weiteres Mal abgestimmt werden?!